Chasqui Net Revista Virtual Iberoamericana  de Berlín
Gesellschaft: Chasqui die Literatur als transformierende Kunst Literarische Überlegungen


9 de Septiembre de 2010

Chasqui Net Revista Virtual Iberoamericana de Berlín

Gesellschaft

    Chasqui und die Literatur

    Literarische Überlegungen
    Simone de Aguirre
Neulich den Himmel beobachtend, traf ich am Fuße eines Gipfels der Anden einen Chasqui, den Boten der Inka, der mit einer Botschaft in seinen Händen schnell dahineilte. "Wohin, so schnell?", fragte ich ihn und er antwortete: "Eine Fabel zu übergeben, die mir ein Zunzun (Kolibriart) übergab, um einen Streit zwischen zwei Häuptlingen zu schlichten, die im Osten im Kampfe sich befinden. Wenn ich nicht pünktlich ankomme, wird es ein großes Blutbad geben, entschuldigen Sie mich deshalb und bis bald." Als ich ihn davoneilen sah, hob ein großer Wind an, der den Boten auf seinen Flügeln dahinzutragen schien, damit er schneller die Anden überquere, um so zu verhindern, dass der Krieg zwischen den beiden Völkern ausbräche. Nachdenklich blieb ich zurück, doch bald verstand ich: ein Buch öffnend, das ich bei mir hatte, um in der Lektüre neues Verständnis zu suchen, traf ich auf folgenden Absatz:

"Alles ist […] Fabel. Aber wozu dient uns die Wahrheit, die ihren ehrenwerten Besitzer beruhigt? Unsere mögliche Wahrheit muss Invention sein, das heißt écriture, Literatur, Malerei, Skuptur, Agrikultur, Piscikultur, alle „Turen“ dieser Welt. Die Werte Turen, die Heiligkeit eine Tur, die Gesellschaft eine Tur, die Liebe eine pure Tur, die Schönheit Tur der Turen“

Tura trieb den Chasqui nach Osten, Tur bringt chasquinet zu Ihnen, den Lesern. Wir gehen in die virtuelle Ära mit der Macht der literarischen Überlegung hinein und widmen uns einem tieferen Journalismus, zu Literatur geworden. Wir entfernen uns von der Anekdote, die heutzutage die Nachrichten geworden sind, um zu überlegen und zu beobachten. In dieser Suche nach der Ästhetik gewinnen wir die notwendige Entfernung, um die Wirklichkeit zu entschlüsseln und auf diesem Weg zu einer neuen Sicht der Tatsachen zu gelangen.

In ihrer Rede "Literatur ist es Freiheit", aus Anlass der Übergabe des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, formuliert die Autorin Susan Sontag: "Eine der Aufgaben der Literatur ist es Fragen zu formulieren und Aussagen zu erarbeiten, die den herrschenden Scheinheiligkeiten entgegentreten. Die Literatur ist Dialog, Antwort. [...] man kann sie definieren als die Geschichte der menschlichen Antwort auf das, was lebend oder todgeweiht ist, in dem Maß wie sich die Kulturen entwickeln und untereinander in Beziehung treten“. Und weiter "Die Literatur bietet nicht nur Mythen auf, sondern auch Gegenmythen. [...] Sie kann Modelle aufzeigen und tiefe Kenntnisse weitergeben, die in der Sprache Gestalt angenommen haben. Anhand der Literatur können wir unsere Fähigkeit üben, für jene zu weinen, die nicht die Unseren sind, oder zu uns gehören.

Literatur als transformierende Kunst macht uns den tieferen Sinn der Dinge verstehen und reicht über die Oberfläche, die Vorurteile und über das Momentane hinaus. Die Freiheit, die die literarische Kunst bietet, nähert uns auf Serpentinen dem wahrhaftigen Geist der Dinge an und bringt uns zum Kern der Dinge. Sie eint uns durch die Ästhetik und schafft Verständnis und Weisheit zwischen den Kulturen durch ihre große Bandbreite an Inhalten.

Vielleicht in einer Chronik, in einer Kurzgeschichte, in einer Poesie oder einer literarischen Kolumne überschreiten wir die Grenzen, die von den Mächtigen dieser Welt, die die Zügel der Kommunikation in den Händen halten, gesetzt und aufrechterhalten werden, mit "der Feinheit eines Dante, der in die Hölle eintritt bis zu dem Ort, wo der leibhaftige Belzebub die Verräter zerkaut“ , um von dort aus den Sturm von Nachrichten zu klären, der heute die Welt verhängt. Wir verlassen das "Marketing der Wahrheiten" und halten uns an die Universalität der künstlerischen Freiheit.

Uns dem Zeitgenössischen auf literarische Art und Weise annähern, die Vorgänge und Umstände der Dinge sichtbar zu machen, die unsere Gedanken und unsere Herzen bewegen, von der Alchemie bis zum Lied des Zunzún (einer Kolibriart), begleitet und geführt von der Erinnerung und angezogen von dem, das da kommen mag. Ohne die Ereignisse auf ein wissenschaftliches Minimum zu reduzieren, das die heutigen Nachrichtenformate anbieten: Wir wollen mit Ihrer Hilfe ein neues Format schaffen, das die Kulturen durch eine ästhetische Vision in der Freiheit des künstlerischen Schaffens vereint.

Die Chasquis der Inkakultur sind in ihrer physischen Existenz heute nur noch eine Vision, ein Fabel, eine Erinnerung an vergangene Zeiten, aber in ihrer virtuellen Version sind sie lebendiger denn je, aktueller als die atomisierte Aktualität. Chasquinet und seine literarische Anschauung ist eine Realität in unseren Händen und der kulturelle Austausch, der zwischen seinen Zeilen stattfindet, ist ein friedlicher Vorschlag, der unseren einkulturellen Horizont erweitert und uns daran erinnert, dass wir alle menschlich sind, mit den Füssen auf derselben Erde, zerbrechlich und gleichzeitig stark, fähig, uns neu zu erfinden über die Grenzen der Kulturen hinweg.
Auszüge aus:
Julio Cortázar, Rayuela, s. 442, suhrkamp taschenbuch, 1987.
Susan Sontag - Ansprachen aus Anlass der Verleihung- »Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2003«, Hrsg. v. Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Verlag MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH, Frankfurt 2003.

Más en Gesellschaft

Gesellschaft: Chasqui die Literatur als transformierende Kunst Literarische Überlegungen
Powered by Spain 4 All - Guia General de España - Politica de Privacidad