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Sprache
"Ich spreche nur eine Sprache und es ist nicht die meine"Diskurs zum Tag der Sprache in einer kolonialen Stadt
Juliana Borrero, Tunja, Colombia
Wir lernen von der Linguistik, dass alle Sprachen Dialekte sind. Dies zu sagen bedeutet zu verstehen, dass jede Sprache eine Mischung von Sprachen und Kulturen ist. Das heißt, dass es keine reine Sprache gibt. Wir lernen aus der Geschichte und den postkolonialen Studien, dass jeder Kolonialisierungsprozess eine gewaltsame Geschichte hat, voller unzählbarer Missbräuche und physischer als auch geistiger Verstümmelungen.
"Ich spreche nur eine Sprache und es ist nicht die meine"
Darin sind wir Geschwister in dem, dass wir Waisen einer wahren Sprachmutter sind, dass jede Sprachmutter eine provisorische Vertretung für unser linguistisches Waisentum ist, für unsere ursprüngliche Entwurzelung, für den Fluch, nichts zu sagen und uns nicht verständigen zu können, für das ständige Provozieren von Missverständnissen, vom Plappern ohne Ende.
In wessen Dienst steht die Sprache? Die Einsprachigkeit vom anderen zu erben, bedeutet, eine Sprache zu erben, die benutzt worden ist, Verbrechen zu vertuschen, die gegen uns begangen wurden! Das heißt, es gibt einen Punkt, von dem aus der Gebrauch eines korrekten Spanisch dem gleichkommt, sich einen Revolver an den Kopf zu setzen und sicher zu gehen, die Geschichte und die Werte der Kolonialisierung unter uns zu wiederholen.
Wo ist die Hoffnung auf eine Sprache, die nicht die Wiederholung dieser gleichen alten Terrorgeschichte ist, mit all ihren Gespenstern? Wo, die Einstellung gegenüber der Sprache, fähig zu sein, den anderen zu sehen und die eigene aufgezwungene Sprache und von dort aus, einen Grund für das Schreiben zu finden? Was heißt es also, zu schreiben? Und schließlich, wenn dies die Geschichte ist, die verbreitet wird und um sich greift aufgrund der Einsprachigkeit als Blick auf die Welt, die von außen, vom anderen auferlegt wurde, welche Hoffnung finden wir in der Zweisprachigkeit?
Dort, wo wir uns angebunden finden an eine oder mehrere Sprachen, die uns besitzen, ohne dass wir sie besitzen können, im Waisentum aller Sprachen, welches der gleiche Raum der Zweisprachigkeit ist, dort finden wir die Notwendigkeit der Liebe wieder, finden wir die Notwendigkeit des Respekts, neu formuliert.
Respektieren wir die Sprache oder respektieren wir den Menschen? Die Sprache zu lieben bedeutet die Notwendigkeit zu verstehen neu zu formulieren. Zweisprachig zu sein, nicht als Form der Macht, noch um jemanden in Erstaunen zu versetzen, sondern als Blick auf die Welt und als Blick auf den anderen, der anders ist und nicht deswegen verachtungswürdig. Uns für einen flüchtigen Augenblick zu erkennen, entwurzelt und menschlich und von dort aus, uns zu verfolgen, zu schreiben, uns erneut in der Sprache zu erfinden. Das heißt, im Raum, wo alle Sprachen sich berühren; das heißt, in der abgrundtiefen Stille der Sprache. Ende.
Text von Juliana Borrero, Tunja, Kolumbien, geschrieben anlässlich des Tages der Sprache in Amerika und gewidmet Raul, einem Straßenjungen und der Sprache der Straße
Übersetzung: Simone Braun de Aguirre
Spanische Version dieses Artikels unter IDIOMA
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